Sebadenitis

Sebadenitis, Linderung dank kombinierter Therapie

Hinweis: Dieser Artikel erschien in Der Hund, Ausgabe 2/2001.

Pfoten

Zusammenfassung

Die Sebadenitis, eine Entzündung der Talgdrüsen, gehört zu den Hauterkrankungen des Hundes, deren Ursachen derzeit noch nicht völlig geklärt sind. Eine erbliche Komponente ist jedoch wahrscheinlich. Heilungsaussichten gibt es momentan noch nicht; die Beschwerden des Vierbeiners können jedoch erheblich gelindert werden. Beate Pürner, Mitglied des Akita Club e.V., über Therapieerfahrungen, bei denen das Internet eine besondere Rolle spielte.

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Michael Rampak, der Besitzer eines Akita-Rüden namens „Bushi", berichtet: „Die ersten Beschwerden an Haut und Fell traten erstmals im September 1996 auf. „Bushi" war damals 1 ¼ Jahre alt. Da der Tierarzt überhaupt keinen Anhaltspunkt hatte, wonach er suchen sollte, wurden zahlreiche Untersuchungen und Allergietests durchgeführt. Erst im Mai 1998, also 1 ½ Jahre später, stellte eine Mitarbeiterin im Departement für Fortpflanzungskunde in Zürich [Anmerkung: Frau Dr. Iris Reichler] die Diagnose ‚Sebadenitis'."

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Bushi
Nach der Diagnose „Sebadenitis" im Mai 1998 wurde der Akita-Rüde „Bushi"
mit Antibiotoka und medizinischen Bädern behandelt - leider mit geringem Erfolg.
© 2001 M.Rampak

Was ist Sebadenitis?

Die Sebadenitis bedeutet die Entzündung und Zerstörung der Talgdrüsen. Beim gesunden Hund produzieren die Talgdrüsen einen Fettfilm auf der Haut der das Austrocknen der Haut und der Haare verhindert und die Haut vor Keimen schützt. Die Talgdrüsen sind außerdem noch an der Bildung der Hornschicht der Haut beteiligt. Bei Verlust der Talgdrüsen wird die Verhornung gestört, die Hornschicht wird dicker, die Haut schuppig.

Die Krankheit beginnt mit Entzündungen um die Talgdrüsen herum. Diese entzündlichen Prozesse sind nicht infektiös, sondern wahrscheinlich genetisch bedingt. Nach einiger Zeit kommt es zur Selbstzerstörung der Talgdrüsen durch körpereigene spezifische Lymphozyten (bestimmte Abwehrzellen der weißen Blutkörperchen). Die Haut wird schuppig, weil die Hornschicht sich verdickt. Die Haare brechen büschelweise mit anhaftenden Schuppen ab. In diesem Stadium ist die Haut sehr anfällig für abnorme Bakterienansiedlung. Dies führt zu stark juckenden, oft eitrigen Entzündungen der Haut, die zudem sehr unangenehm riechen, weil der Schutzmantel der Haut zerstört ist. Das Allgemeinbefinden des Hundes ist stark beeinträchtigt.
 

Sebadenitis

Die Talgdrüsenentzündung (Sebadenitis) wurde erstmals 1986 beim Hund beschrieben. Die granulomatösen Hautveränderungen der Talgdrüsen können zum Verlust der Drüsen führen. Folge sind progressiver Haarausfall und Seborrhoe, wobei als auffälligstes Merkmal ganze Haarbüschel samt der Haarwurzel aus-ziehbar sind. Die Sebadenitis beginnt oft an Rute und Kopf. Die Krankheitsursache ist unklar, es werden Autoimmunvorgänge vermutet. Die Therapie richtet sich vor allem auf Hautpflege und Vermeidung von Sekundärinfektionen. Die Behebung der Krankheitsursache ist noch nicht möglich.

Quelle: Freudiger, Grünbaum, Schminke: „Klinik der Hundekrankheiten", Gustav Fischer Verlag Jena/Stuttgart 1993

 
Das Krankheitsbild dieser Autoimmunerkrankung wurde 1986 zum ersten Mal beim Hund beschrieben. Die genaue Ursache für die Entzündung und Zerstörung der Talgdrüsen ist noch nicht erforscht. Man nimmt an, daß die Veranlagung für Sebadenitis vererbt wird. Leider liegt bisher nur sehr beschränktes Zahlenmaterial vor, das eine endgültige Aussage über genetische Ursachen noch nicht zuläßt. Die Krankheit tritt bei allen Hunderassen auf.

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Therapie und Diagnose

Bis heute gibt es keine Therapie der Sebadenitis. Die Behandlungen können lediglich die Auswirkungen dieser Krankheit lindern. Gegen die bakteriellen Hautinfektionen werden Antibiotika eingesetzt. Da der natürliche Hautfilm krankheitsbedingt fehlt, treten nach Absetzen der Antibiotika bald wieder neue Entzündungen auf. Leider ist die permanente Behandlung mit Antibiotika keinem Hund zuträglich. Versuche mit Cyclosporin oder Cortison zum Beispiel brachten zwar kurzfristig Besserung, aber auch hier waren die Nebenwirkungen gesundheitsschädigend. Die einzige Möglichkeit dem erkrankten Hund zu helfen, besteht darin, den Schutzmantel der Haut durch rückfettende Substanzen "nachzuahmen".

Die Diagnose ist sehr schwierig, weil Hautprobleme mannigfaltige Ursachen haben können, wie beispielsweise u.a.

  • falsche Ernährung (oft zu proteinreich)
  • Zinkmangel
  • Allergien
  • Milben
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Pilzerkrankungen.

Eine Hautbiopsie ist zur zuverlässigen Diagnose von Sebadenitis notwendig. Dazu werden unter örtlicher Betäubung an mehreren Stellen Hautproben entnommen und mit dem Mikroskop untersucht.

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Bushi
Im Internet informiert sich „Bushis" Besitzer über andere Therapiemöglichkeiten.
Im Juni 1999 beginnt er die Behanndlung mit Calendumed-Salbe und Johanniskrautöl.
© 2001 M.Rampak

Erfahrungen aus der Praxis

Michael Rampak berichtet weiter: „Nach der Diagnose ‚Sebadenitis' im Mai 1998 wurde Bushi mit Antibiotika, medizinischen Bädern, Zusatzstoffen (Vitamin E, Fischöl, ...) behandelt. Leider mit geringem Erfolg. Nachdem ich mehrere Tausend DM für Medikamente und Behandlung ausgegeben hatte, dachte ich daran ‚Bushi' einzuschläfern. Aus meinem Akita war ein ekelhaft stinkendes, mit Entzündungen übersätes und haarlos dahin schleichendes ‚Etwas' geworden."

Er berichtet: „Juni: Alle Entzündungen auf ‚Bushis' Körper werden mit Calendumed Salbe eingecremt und die Verkrustungen nach etwa vier bis sechs Stunden entfernt. Diese Prozedur wird solange wiederholt, bis alle Verkrustungen entfernt sind. Zusätzlich erhält ‚Bushi' 250 mg Vitamin E, eine Kapsel täglich, 3 x 5-10 Kügelchen Calendula D2, nach 4 Wochen D4.

Am nächsten Tag werden ‚Bushi' 100 ml bis 200 ml Hettral Johanniskrautöl einmassiert. Nach zwei Stunden wird er zweimal mit Editerm von Virbac geduscht, anschliessend mit Humilac von Virbac gespült. Diese Behandlung wiederholte ich alle 10 bis 14 Tage.

Anfang August: Bei Bushi sind alle oberflächlichen Entzündungen abgeheilt und verschwunden. An den vorher haarlosen Stellen ist der erste Haarflaum zu sehen.

Mitte August ‚explodiert' der Haarwuchs bei Bushi, alle Entzündungen sind verheilt. Bushi wird außergewöhnlich lebhaft und sein Appetit nimmt zu.

Ende September hat ‚Bushi' etwa 85 % seines früheren Aussehens wiedererlangt. Die Behandlung wird jetzt alle drei Wochen wiederholt.

Bushi
Die Therapie zeigt erste Erfolge: Alle oberflächlichen Entzündungen sind abgeheilt
und verschwunden. An den vorher haarlosen Stellen ist der erste Haarflaum zu sehen.
Die Behandlung wird jetzt alle drei Wochen wiederholt.
© 2001 M.Rampak

Anfang Oktober erhält der Hund noch zusätzlich Omniflora, um die Darmflora, die unter der vielen Antibiotika gelitten hat, wieder in Ordnung zu bringen.

Dezember: Die Behandlung wird jetzt alle 4 Wochen wiederholt.

Januar 2000: Calendula D 4 wird abgesetzt, ‚Bushi' erhält nur noch zweimal in der Woche 250 mg Vitamin E. Seit Behandlungsbeginn hat Bushi keine Entzündungen mehr. Das Fell ist in Ordnung, etwa 85 bis 90 % von seinem früheren Aussehen. ‚Bushi' wird auch wieder geimpft, obwohl ich große Bedenken hatte, weil ja jede Impfung in das Immunsystem eingreift. Aber es ist alles gut gegangen, und ich werde ihn in Zukunft wieder ganz normal impfen lassen.

Frühjahr 2000: ‚Bushi' hat sehr stark abgehaart und fast die ganze Unterwolle verloren, aber alles wächst wieder nach."

Bis heute geht es dem Rüden gut. Er hat keinerlei Rückschläge erlitten. Alle vier Wochen wird er nach einem festen Schema behandelt (siehe Kasten). Diese Behandlung ist rein symptomatisch, d.h. die Erkrankung Sebadenitis selbst kann nicht geheilt werden. Ein erkrankter Hund muß deshalb lebenslang behandelt werden, da ja nur die Auswirkungen der Sebadenitis gelindert werden können.

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Bushi
Anfang Oktober: „Bushi" erhält noch zusätzlich Omniflora,
um die Darmflora, die unter den vielen Antibiotika-Gaben gelitten hat,
wieder in Ordnung zu bringen.
© 2001 M.Rampak

Die Rolle des Internets

Die Internet-Seite von ‚Bushis' Erkrankung ist deshalb besonders erwähnenswert, weil heute, wenn es ums Internet geht, so oft von Business, dotcoms und viel Geld die Rede ist. Dabei bietet das Internet so viel mehr…

Der Akita Club e.V. (AC) ist seit 1997 im Internet vertreten. In den vergangenen drei Jahren wurde diese Website (www.akita.de) zu einer umfassenden Informationsquelle ausgebaut. Nicht nur die Mitglieder des AC besuchen diese Website, sondern auch andere Akita-Besitzer. So auch von Bushis Besitzer. Nach ‚Bushis' Diagnose wurden E-Mails mit Informationen über Sebadenitis gewechselt. Erschien ein neuer Artikel über das Thema, wurde Michael Rampak benachrichtigt.

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Die Akita-Mailingliste

Vor 1 ½ Jahren wurde die Akita-Mailingliste gegründet. In einer Mailingliste tauschen die Abonnenten Informationen in Form von E-Mails untereinander aus, dabei kennen sie sich normalerweise nicht persönlich. Eine E-Mail, die an die Mailingliste geschickt wird, landet automatisch bei allen Abonnenten. In der Akita-Mailingliste wird über alles, was mit Akita zusammenhängt, geschrieben: Erziehung, Ernährung, Veranstaltungstermine,… „Bushis" Besitzer war einer der ersten Abonnenten (inzwischen hat die Mailingliste knapp 100 Mitglieder). Ab und zu berichtete er über „Bushis" Krankheit. Mitglieder der Liste halfen ihm mit Informationen und Übersetzungen und wiesen ihn auch auf das Johanniskrautöl zur Behandlung von Entzündungen hin.

Im Dezember 1999 schilderte er zum ersten Mal sein Vorgehen und seine bisherigen Erfahrungen. Im Mai 2000 ergänzte er seine Informationen und berichtete über den noch immer anhaltenden Behandlungserfolg der Symptome. Bei der bis heute unheilbaren Sebadenitis ist das schon eine wichtige Neuigkeit!

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Bushi
1 ½ Jahre nach Therapiebeginn: Die Erfolge der Behandlung sind nicht zu übersehen.
Die Behebung der Krankheitsursache Sebadenitis ist noch nicht möglich.
„Bushi" muß deshalb lebenslang behandelt werden.
© 2001 M.Rampak

Akita-Besitzer gesucht

Auch „Bushis" Tierärztin war von der erfolgreichen Behandlung durch seinen Besitzer beeindruckt. So beschrieb sie das Vorgehen kurz in einer Tierarzt-Mailingliste. Ein Vorstandsmitglied des AC erhielt diese Information von seinem Tierarzt, der diese Information wiederum in der Tierarzt-Mailingliste gelesen hatte. Im Mitgliederforum vom März 2000 (Vereinszeitschrift des AC) wurde die kurze Information veröffentlicht, verbunden einer „Suchmeldung" nach dem Akita-Besitzer.

Bushi Herrchen meldete sich umgehend. Im nächsten Mitgliederforum (Juni 2000) wurde sein ausführlicher Erfahrungsbericht abgedruckt. Gleichzeitig wurde der Bericht auch in die Akita-Website eingebaut [siehe Bericht].

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Eigendynamik des Internets

Jetzt könnte diese Geschichte eigentlich zu Ende sein. Wenn da nicht noch die dänische Akita-Besitzerin Lene gewesen wäre, aktive Abonnentin der deutschen Akita-Mailingliste und zugleich der amerikanischen Mailingliste „Natural-Akita". Da Sebadenitis bei „Natural-Akita" ein aktuelles Thema war, wies Lene auf den Bericht in der Akita-Website hin.
 

Akita in Deutschland

Die japanische Rasse Akita (Akita ist eine japanische Präfektur) gehört zu den nordischen Rassen. In Deutschland leben zur Zeit etwa 1600 Exemplare. Der Akita Club e.V. vertritt mit ca. 500 Mitglieder etwa 1200 Akita. 1999 wurden 153 Welpen in das Zuchtbuch des VDH eingetragen. Dem Akita Club sind vier an Sebadenitis erkrankte Akita bekannt.
 

Wirklich über Nacht übersetzte daraufhin eine seit 15 Jahren in Texas lebende Deutsche den umfangreichen Text ins Amerikanische für eine Internet-Bekannte, deren Akita-Rüde „Taka" sehr schwer an Sebadenitis erkrankt ist. „Takas" Besitzerin, die mit der „herkömmlichen" Behandlung der Krankheit genauso unbefriedigende Erfahrungen wie „Bushis" Halter gemacht hatte, fing sofort mit der „neuen" Behandlung an. Zugleich stellt sie den übersetzten Text in ihre Website über Akita ein [siehe übersetzter Bericht].

„Taka" sprach gut auf die Behandlung an. Auch sein Zustand verbesserte sich erheblich. Anfang August veröffentlichte seine Besitzerin „Takas Geschichte, Das Tagebuch einer Sebadenitis-Erkrankung" auf ihrer Website mit vielen Fotos, die den Behandlungserfolg veranschaulichen [siehe Bericht]. Unnötig zu ergänzen, daß diese Geschichte dann wieder von einem Mitglied der deutschen Akita-Mailingliste ins Deutsche übersetzt wurde [siehe übersetzter Bericht].  

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Behandlungsschema

Sebadenitis ohne größere Entzündungen der Haut

  • Den Hund komplett mit Hettral Johanniskrautöl (Apotheke) je nach Resthaarbestand etwa 200 ml, einölen. Vorsicht! Nichts in die Augen oder in die Ohren kommen lassen! Das Öl leicht in die Haut einmassieren und etwa 2 Stunden einziehen lassen. Um zu verhindern, daß sich der Hund das Öl ableckt, kann man sich mit ihm beschäftigen oder Gassi gehen. Nach zwei Stunden den Hund zweimal mit Etiderm (vom Tierarzt) baden. Nicht rubbeln, das Öl soll nur von den Haaren entfernt werden.
  • Anschließend eine Spülung mit Humilac (vom Tierarzt): acht Kappen auf 1,5 Liter Wasser. Nicht trockenrubbeln oder föhnen, sondern von selbst trocknen lassen.
  • Nach 10 bis 14 Tagen Behandlung mit Babyöl oder reinem Mineralöl wiederholen.
  • Sechs Anwendungen in Abstand von 14 Tagen. Danach die Anwendung alle drei Wochen wiederholen und nach etwa vier bis fünf Behandlungen im vierwöchigen Abstand. Die Dauertherapie erstreckt sich über vier Wochen. Wenn bei der Vier Wochen-Routine die Haut in der vierten Woche zu trocken ist, wieder zur Drei Wochen-Routine zurückkehren.
  • Von Beginn an 250 mg Vitamin E, einmal täglich eine Kapsel, nach 6 Monaten zweimal wöchentlich.

Sebadenitis mit Entzündungen der Haut

  • Größere entzündete Verkrustungen mit Calendumet-Salbe (aus der Apotheke) eincremen. Nach ein paar Stunden sind die Verkrustungen aufgeweicht. Vorsichtig mit einem Flohkamm die Verkrustungen aus den Haaren kämmen. Entzündete Stellen mehrmals eincremen.
  • Calendula D 2 oder D 4, dreimal täglich fünf Globuline, auf die Zunge geben.

Das weitere Vorgehen wie bei Sebadenitis ohne größere Entzündungen der Haut.

Wichtig: Die Ölbehandlung muß lebenslang durchgeführt werden, da nur die Symptome gelindert werden, nicht aber die Krankheit Sebadenitis geheilt wird!

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