Sebadenitis

Krankengeschichte von Briard Balzak (Rüde)
- 2000 bis 2002 -

Dieser Artikel von Daniela Tschepe erschien im CFH-Journal 6/2001 ( Club für französische Hirtenhunde)

siehe auch Krankengeschichte von Balzak (2002 bis 2006)

Balzak
Balzak März 1998,
vor dem Ausbruch der Sebadenitis, Rücken und Rute sind gut behaart
© 1998 by Daniela Tschepe

Krankheitsbeginn

Angefangen hat eigentlich alles Weihnachten 2000, als mein 6 Jahre alter Briardrüde zum ersten Mal in seinem Leben Probleme mit den Ohren bekam. Er hielt den Kopf schief, er schüttelte ihn ständig, wir mussten zum Arzt und Balzak bekam die Ohren gut gesäubert und dank Salbe wurde es auch langsam besser.

Trotzdem beunruhigte mich die Sache. Von da ab hatten wir immer wieder richtig hart verkrustete Ohren, die ich mühsam einweichen und säubern musste. Ich wusste, irgendwas hat der Hund, ich hatte nur keine Ahnung was. Ich ließ eine Blutuntersuchung machen und mein Arzt hielt mich wahrscheinlich schon für hysterisch. Das Ergebnis war negativ und bis Juli hatten wir Ruhe. Dann hatte ich auf einmal büschelweise Haare in der Bürste. Himmel, war das noch normal? Natürlich, es war sehr heiß, aber Balzak verlor selbst während eines Haarwechsels sehr wenig Haare. Schließlich war es nicht mehr zu übersehen, die Haare um die Augen wurden dünner und er hatte auf dem gesamten Nasenrücken Schuppen.

Falsches Futter? Milben? Was gibt es denn sonst noch für Ungeziefer?

Wir gingen zum Arzt, aber der schüttelte den Kopf. Keine Milben festzustellen, wir können noch eine Pilzkultur anlegen und ein Shampoo gegen Schuppen nehmen.

Zuhause stellte ich erst einmal das Futter um. Mehr Fleisch und Reis, Möhren, Äpfel, Bierhefe, kaltgepresstes Öl, auch Öl auf die Haut - konnte ja eigentlich nicht verkehrt sein.

Ich wog mich in Geduld, aber wir kamen nicht weiter. Die Schuppen wurden mal weniger, mal mehr, die Haare wurden eindeutig weniger ... Ansonsten ging es dem Hund gut. Die Verdauung war o.k., der Appetit war bestens, im Januar war er sehr dünn gewesen, jetzt legte er wieder 2kg zu und seine Laune war einfach so ausgelassen, wie ihn jeder kennt. Er fuhr mit uns nach Berlin, weil er sich ja auch für 2 Tage nicht „abschieben" lässt und meine Tante ja unbedingt in Berlin feiern musste. Dummerweise hatte sie eines nicht bedacht: Es gibt da so ein besonderes Wochenende im Juli...

Wir brauchten 10 Stunden für die Fahrt und jeder Parkplatz näher an Berlin wurde lauter. Am Samstag stand Balzak seelenruhig inmitten der Love Parade auf dem Kurfürstendamm.

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Balzak
Balzak vor Ausbruch der Krankheit, © 1999 by Daniela Tschepe

Diagnose wird gestellt

Schließlich wurde es September, die Pilzkultur hatte einen leichten Befund gegeben, aber nichts Typisches, nichts, was dieses Ausmaß an Haut- und Haarveränderung erklären ließ. Wir hatten schon den Termin für eine Hautbiopsie, als mein Arzt meinte, er wüsste einfach nicht, wonach er suchen sollte und ich sollte doch besser zum Spezialisten nach Düsseldorf fahren.

Drei Tage später war ich dort und verbrachte einen ganzen Vormittag in der Praxis. Die Ärztin war sehr gründlich, schrieb sich alles auf und begann dann mit der Untersuchung. Ungeziefer wurde nochmals ausgeschlossen. Die Schilddrüse wurde untersucht, noch eine Pilzkultur angelegt und diverse Blutproben genommen. Als letztes machte sie noch eine Hautbiopsie an drei Stellen. Das ist wie „Plätzchenstechen", aber besonders tief. Ich muss zu meiner Entschuldigung sagen, dass mir erst schlecht wurde, als die Ärztin sagte, ich solle rausgehen, wenn mir schlecht würde.

Dann hieß es warten. Vor uns war eine Hovawarthündin dran gewesen und die Ärztin meinte, wenn es das wäre, was sie vermutet, bei der Rasse hätte sie es schon gesehen. Aber wir müssten auf jeden Fall eine Woche auf die Laborergebnisse warten.

Sie rief mich pünktlich an und das Ergebnis war leider ein Schlag ins Gesicht.

„Ihr Hund hat eine Autoimmunerkrankung. Das heißt, der Körper richtet sich gegen sich selbst. In Balzaks Fall zerstören die Talgdrüsen der Haut sich selbst. Im Moment funktionieren noch ein paar wenige, aber das ist nur eine Frage der Zeit. Ein Medikament gibt es nicht, nur eins aus der Humanmedizin, das sich aber nicht bezahlen lässt. Was Sie tun können? Versuchen Sie die Haut mit Öl zu behandeln, sie darf nicht austrocknen... Ein neues Medikament ist in Planung, aber ich weiß noch nichts Genaues."

Ich ließ mir die Krankheit noch einmal buchstabieren: Sebadenitis. Nie gehört.

Kaum hatte ich aufgelegt und mich vom ersten Schock erholt, saß ich vor dem Computer und suchte das Internet ab. Jetzt wusste ich ja wenigstens, wie der Mist hieß. Vorher hatte ich auf Verdacht alles, was mit Schuppen und Haarausfalls etc. zu tun hatte, gelesen, war aber nie weitergekommen.

Jetzt stieß ich ziemlich schnell auf die Seite www.sebadenitis.de

Ja, und dann wurde mir noch einmal schlecht. Es muss über 13 Jahre her sein, als ich zum Hundeplatz fuhr und die uns gut bekannte Wolfspitzhündin einen epileptischen Anfall dort bekam. Ich weiß noch, dass ich auf dem Nachhauseweg zu meinem Vater sagte: So etwas will ich nie bei meinem Hund erleben. Vier Wochen später hatte Balu seinen ersten Anfall und ein Jahr später hatten wir beide Hunde innerhalb einer Woche verloren.

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Balzak
Balzak im April 1999,
vor Ausbruch der Krankheit,
© 1999 by Daniela Tschepe

Behandlung

Anfang diesen Jahres las ich einen Artikel in einer Hundezeitschrift (siehe Artikel „Sebadenitis, Linderung dank kombinierter Therapie"). Darin beschrieb ein Akitabesitzer den Krankheitsverlauf seines Hundes und da dachte ich wieder, nein, bitte nie bei meinen Hunden. Und genau das hatte Balzak jetzt.

Aber der Akitabesitzer hatte nicht aufgegeben. Er begann eine Eigentherapie mit Ölbädern, Calendula, Shampoonieren. Ich las mir alles durch, was ich dazu im Internet fand und dann fuhr ich in die Apotheke und deckte mich mit Calendulababyöl, Caledula D2, Babyshampoo, Vitamin E etc. ein. Balzak wurde eingeölt, 2 Stunden ließ ich das Öl einwirken und dann wusch ich es wieder aus. Tatsächlich, die Schuppen waren vorerst weg! Viele Hautstellen waren bereits gerötet, also bekam Balzak dreimal täglich Calendula D2.

Seit diesem Tag verläuft unser Leben anders. Nur noch alle zwei, drei Wochen kämmen, ist nicht mehr. Ich muss jeden Tag ran, auch wenn ich das Heulen kriege, wenn ich die vielen Haare im Kamm sehe. Aber sonst verfilzt Balzaks Haarrestbestand total. An der Rute und an den Ohren hat er schon keine Haare mehr. Wenn er richtig nass ist, sieht man die blanke Haut am ganzen Körper. Scheren lassen kann ich ihn nicht, er hat einfach keine Unterwolle.

Dem Aktita geht es nach 2 Jahren Behandlung immer noch gut, der Besitzer war so nett und schrieb mir eine mail. Überhaupt: Die Hilfe aus dem Internet war enorm. Eine Hundebesitzerin war so hilfsbereit und übersetzte mir eine Befragung von über 80 Hundebesitzern aus den USA. Die Krankheit ist unter Akita-, Pudel-, Hovawartbesitzern besser bekannt. Vereinzelt taucht sie auch bei anderen Rassen auf. Sie wird höchstwahrscheinlich rezessiv vererbt.

Balzak ist jetzt 7,5 Jahre alt. Damit ist die Krankheit erst relativ spät bei ihm ausgebrochen. Vielleicht schaffen wir es ja, ihm seine ungebrochene Lebensqualität zu erhalten.

Balzak bekommt vielleicht noch eine Chance. Die Ärztin hat angerufen, es gibt eventuell eine Studie mit dem neuen Medikament. Ölen und Baden werden wir trotzdem weiterhin machen. Die Haut darf nicht austrocknen, die Entzündungen dürfen sich nicht ausbreiten.

im Dezember 2001
Daniela Tschepe (erschienen im CFH-Journal 6/2001)

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Balzak
Balzak im August 2000,
vor dem Ausbruch der Sebadenitis, dichtes Fell am Kopf,
© 2000 by Daniela Tschepe

Nachtrag am 7. Februar 2002

Aus dem Medikament ist nichts geworden, aber ich hätte sowieso nicht auf die Ölbehandlung verzichtet. Balzak geht es sehr gut! Er ist fit und freut sich seines Lebens. Regelmäßig wird er eingeölt, ab und zu ist ein Vollbad mit Neutralshampoo nötig. Von Calendulaöl sind wir nun auf normales Babyöl umgestiegen und kommen damit sehr gut zurecht. Die Haare wachsen dicht und kontinuierlich und ich freue mich schon aufs Frühjahr!

Fazit bleibt für mich, dass es zwar sehr anstrengend ist, Balzak zu behandeln, aber wenn sein Zustand so bleibt, wir beide sehr gut mit Sebadenitis leben können!

Balzak
Balzak im Dezember 2001,
auf dem Rücken und an der Rute sind bereits ein paar neue Haare nachgewachsen,
© 2001 by Daniela Tschepe

siehe auch

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