Sebadenitis

Therapie gegen Sebadenitis zeigt Wirkung bei Genkai

Hinweis: Dieser Artikel von Sonja und Knut Weidauer erschien in der Clubzeitschrift des Akita Club e.V. 3/1999 unter dem Titel "Familienbande Teil 3".

Im vorletzten Akita Mitgliederforum haben wir über Genkai und seine uns bisher bekannten Wurfgeschwister Gorei (Keiko) und Gomei sowie über Goto berichtet, die alle mehr oder weniger schwer erkrankt sind bzw. andere Auffälligkeiten zeigen.

Genkai und Gorei leiden beide an Sebadenitis. Genkai zusätzlich an Allergien und an einer Thrombozyophenie. Inzwischen sind einige Monate ins Land gegangen. Seit Mai 1999 werden Genkai und seit Juni 1999 Gorei (lebt zur Zeit in den USA) therapiert.


Genkai im April 1999 vor Behandlungsbeginn, © 1999 by Heike Mewes


Genkai im April 1999 vor Behandlungsbeginn, © 1999 by Heike Mewes

Therapie und Laboruntersuchungen

Genkai erhält täglich 50 mg Sandimmun NEORAL (Wirkstoff: Cyclosporin); 200 mg NIZORAL (Wirkstoff: Ketoconazol) 2 mal tgl. ½ Tablette; 3000 mg Omega-3 Fettsäuren in Fischölkapseln (in dieser Zusammensetzung nur in den USA und in England erhältlich). Zur Behandlung offener und aufgekratzter Hautstellen Delmeson-Schaum der Fa. Hoechst (nur bei Bedarf). Darüber hinaus erfolgt wie bereits berichtet, die Desensibilisierung gegen die Allergie. Genkai erhält kein Cortison! Das Ciclosporin wird gleichzeitig auch zur Behandlung von Throbozytophenie eingesetzt.

Die Medikamente sind in gut geführten Apotheken mit Vorbestellung auch erhältlich.

Alle 2-4 Wochen wird im Labor Laubeneck in Bern der Ciclosporinspiegel bestimmt, um festzustellen, ob die verabreichte Dosis im therapeutischen Bereich liegt oder ob die Dosis verändert werden muß. Da Genkai bei einer Dosis von anfänglich 25 mg Ciclosporin nicht im therapeutischen Bereich lag, wurde die Dosis auf 50 mg erhöht.

Darüber hinaus ist die regelmäßige Laboruntersuchung des Blutbildes und der Leberwerte unerläßlich, um eventuelle Nebenwirkungen rechtzeitig festzustellen.

Weiterhin wird Genkai regelmäßig mit Allercalm-Shampoo der Firma Virbac gebadet (1 mal wöchentlich), mit Humilac-Spülung der gleichen Firma das Fell gespült (1 mal wöchentlich) oder die Spülung erfolgt mit Isopropylglycol. Darüber hinaus wird empfohlen, daß Fell regelmäßig mit Baby- oder Olivenöl einzureiben, um das Haarkleid geschmeidig zu halten.


Genkai im April 1999 vor Behandlungsbeginn, Gesamtansicht,
© 1999 by Freie Universität Berlin, Tierklinik


Genkai im April 1999 vor Behandlungsbeginn, Detailfoto der Haut,
© 1999 by Freie Universität Berlin, Tierklinik

Behandlung

Vor Beginn der Therapie wurde Genkai im Veterinärmedizinischen Institut der Freien Universität Berlin-Dahlem einer kompletten Untersuchung (Röntgen, Ultraschall, Labor) unterzogen. Die Festlegungen zur Therapie erfolgten dann in Absprache mit Frau Dr. Reichler der Universität Zürich und Frau Dr. Kohn der vorgenannten Klinik in Berlin. Frau Dr. Kohn hat einige Zeit in Zürich mit Frau Dr. Reichler zusammengearbeitet. Daher war ihr die Materie Sebadenitis nicht unbekannt. Beide Tierärztinnen stehen in ständigen Kontakt über Wege und Möglichkeiten zur Behandlung, was für uns natürlich sehr vorteilhaft ist. Zwischenzeitlich werden auch in Berlin einige Untersuchungen zu dieser und eventuell damit im Zusammenhang stehender Erkrankungen im Rahmen von Forschungsprojekten vorgenommen.

Durch ständigen Kontakt mit Familie Dunkin haben wir uns dann auch mit Familie Holbrook in den USA in Verbindung gesetzt und über die Behandlung von Genkai berichtet. Familie Holbrook hat dann in Absprache mit Frau Dr. Reichler die gleiche Therapie wie bei Genkai begonnen. Gorei hatte vor Beginn der Therapie einen neuen Sebadenitis-Schub. In kürzester Zeit nach Therapiebeginn zeigten sich deutliche Hautveränderungen (siehe Bericht über die Behandlung von Genkais Schwester Gorei).


Genkai im April 1999 vor Behandlungsbeginn, handtellergroße offene aufgekratzte Stelle,
© 1999 by Heike Mewes


Genkai im Juli 1999, gleiche Stelle nach Behandlung,
© 1999 by Weidauer


Genkai im Juli 1999, geschlossene Felldecke am Bauch (diese Region war abgehaart),
© 1999 by Weidauer


Genkai im Juli 1999, keine offenen Stellen mehr,
© 1999 by Weidauer

Was bringt das alles?

Nun zu den wohl interessantesten Fragen - Was bringt das alles? Was kostet das alles?

Wie bereits bekannt, leidet Genkai seit ca. 2 Jahren an Sebadenitis. Unbehandelt (im 1. Jahr) sah er nach relativ kurzer Zeit aus "wie eine Hyäne" (Kindermund). Ein Hund, fleckig, unregelmäßige Fellbildung, ohne Unterwolle, der im Winter friert und im Sommer sonnenbrandgefährdet war. Zunehmend bildeten sich kahle Stellen und Hautpusteln, die aufgekratzt wurden. Ohne entsprechende Behandlung eine Frage der Zeit, daß sich Infektionen entwickeln würden und der Hund eingeschläfert werden müßte.

Seit Mai 1999 wird Genkai therapiert. Seitdem sind, insbesondere für Leute, die ihn längere Zeit nicht gesehen haben, die Veränderungen offensichtlich. Vom Kopf und von den Läufen ausgehend wächst langsam Fell nach. Die Haut von Genkai schimmerte an Stellen, wo eigentlich Fell sein sollte, rötlichbraun bis schwarz. Inzwischen hat er eine weiße "Maske", fast weiße Läufe und auch am restlichen Körper zeigt sich neuer Haarwuchs. Die Haare am Fang sind wieder da und auch weiß. Im Brustbereich trägt er wieder einen großen weißen Latz, und auch die Pfoten sind wieder weiß. An den Beinen bilden sich Fahnen. Der Bauch ist wieder ordentlich behaart. An der Rute bildet sich neues Fell im Ansatz. Auf dem ganzen Körper sind vom Kopf abwärts über den Rücken bis zur Rute größere rote Fellbildungen (noch nicht durchgehend) zu sehen. Die ständige Bindehautentzündung ist ebenfalls nicht mehr zu beobachten.


Genkai im September 1999, © 1999 by Weidauer


Genkai im September 1999, © 1999 by Weidauer

Genkai wurde inzwischen auch schon mal wieder als Akita erkannt.

Er ist natürlich noch lange nicht in einem solchen Zustand wie vor der Erkrankung. Und ob er es schaffen wird, kann heute keiner sagen. Die Therapie ist keine Garantie dafür, ob die Sebadenitis zum Stillstand kommt bzw. ob eine Heilung möglich ist. "Allein der Glaube läßt uns hoffen". Zur Zeit ist das Allgemeinbefinden uneingeschränkt gut. Es gibt keine Nebenwirkungen. Er hat einige Pfund zugenommen. In den nächsten Tagen lassen wir in Absprache mit Frau Dr. Reichler eine erneute Hautbiopsie vornehmen.


Genkai im Oktober 1999, © 1999 by Weidauer


Genkai im Oktober 1999, © 1999 by Weidauer

Was kostet das alles?

Nun zur zweiten Frage. Kostenpunkt: inklusive Laboruntersuchungen, Tabletten, Desensibilisierung, Bäder, Spülungen etc. rund 600,- DM pro Monat! Man kann es auch so ausdrücken - 1 Jahr keine Urlaubsreise für die Familie (wenn man keine Hundekrankenversicherung hat). Über den Zeitraum der nötigen Therapie gibt es ebenfalls kaum Erkenntnisse. Nach bisherigen Erfahrungen sollte sie bis zum vollständigen Abklingen der klinischen Symptomatik erfolgen.

Hoffung auf Erfolg

Durch den ständigen Kontakt mit Frau Dr. Reichler während der Behandlung von Genkai haben wir von einem Behandlungserfolg gehört, der uns in unserer Hoffnung bestärkt, daß alles seinen Nutzen hat.

In der Nähe von Zürich gibt es eine Akita-Hündin (reinrassig), die an Sebadenitis erkrankt war! Zwischenzeitlich haben wir mit der Besitzerin Kontakt aufgenommen und sie bestätigte uns, daß unter der zuvor beschriebenen Behandlung ihre Hündin wieder völlig normal aussieht und zur Zeit keinerlei Hautirritationen mehr festzustellen sind. Bleibt zu hoffen, daß dieser Zustand stabil bleibt. Mehr darüber - hoffentlich dann auch mit Fotos - im nächsten Beitrag Familienbande.

Die oberen Fotos sind dank Heike Mewes und der Tierklinik Berlin entstanden und zeigen Genkai vor der Therapie. Die unteren Fotos sind von uns in den letzten Tagen aufgenommen und zeigen den heutigen Zustand.

im August 1999
Sonja und Knut Weidauer, Berlin

Kommentar:

Der Einsatz von Ciclosporin hat die Erwartungen nicht erfüllt, die Nebenwirkungen waren zu stark,
siehe auch Bericht Genkai

siehe auch: Bericht über die Behandlung von Genkais Schwester Gorei

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