Sebadenitis

Sebadenitis beim Akita

Hinweis: Dieser Artikel von Dr. Iris Reichler, Mitarbeiterin beim Departement für Fortpflanzungskunde Zürich, erschien in der Clubzeitschrift des Akita Club e.V. 4/1998.

1986 wurde erstmals das Krankheitsbild Sebadenitis beim Hund beschrieben. Seither wurden viele weitere Fälle bei verschiedenen Hunderassen, beim Mensch, bei der Katze und beim Hasen diagnostiziert. Schweizer Züchter haben uns, Mitarbeiter am Departement für Fortpflanzungskunde der Universität Zürich gebeten, die Sebadenitis beim Akita näher zu untersuchen, da wir uns unter anderem auch mit der Erforschung von Erbkrankheiten beschäftigen.

Akita mit Sebadenitis
Nahaufnahme der typischen Schuppenbildung bei Sebadenitis
© 1999 by Frau Dr. Iris Reichler

Sebadenitis bedeutet Talgdrüsenentzündung

Im Frühstadium der Erkrankung sammeln sich um die Talgdrüsen Entzündungsstellen. Mit der Zeit gehen die Talgdrüsen zugrunde, die Entzündungsstellen verschwinden.

Die wichtigste Funktion der Talgdrüsen ist die Talgproduktion. Der Talg bildet zusammen mit Schweißdrüsen, Immunglobulinen und Interferon auf der Haut einen fettigen Schutzfilm gegen chemische und physikalische Einwirkungen. Die Fettemulsion verhindert vor allem Wasserverluste über die Haut und beugt der übermäßigen Ansiedlung von Keimen vor. Fehlt dieser oberflächliche Fettfilm, trocknen Haut und Haare aus. Da die Talgdrüse außerdem noch an der Bildung der Hornschicht der Haut beteiligt ist, wird bei Verlust der Talgdrüsen die Verhornung gestört. Die Hornschicht wird dicker, die Haut schuppig.

Typisch für Sebadenitis im Anfangsstadium ist daher eine trockene, schuppige Haut. Haarbüschel brechen mit anhaftenden Schuppen aus. In diesem Stadium ist die Haut sehr anfällig für abnorme Bakterienansiedlung. Die Folge sind stark juckende, übelriechende Hautentzündungen, die das Allgemeinbefinden der Hunde stark beeinträchtigen.

Akita mit Sebadenitis
mottenfraßartige Fellveränderungen
© 1999 by Frau Dr. Iris Reichler

Ursache für Sebadenitis unklar

Die genaue Ursache für die Entzündung und die Zerstörung der Talgdrüsen ist noch ungeklärt. Sebadenitis ist sicher eine Erkrankung mit genetischer Grundlage, da weltweit insbesondere der Akita und der Pudel unter diesem Krankheitsbild leiden. Immer, wenn nur eine Rasse bei unterschiedlichster Haltung und Umgebung (Japan, UEuropa) von einem Problem konfrontiert ist, liegt dieser Erkrankung eine genetische Disposition zugrunde. Nicht richtig ist jedoch die Schlußfolgerung, daß man, um eine gesunde Zuchtbasis zu erhalten, alle diese Erkrankungen durch Ausschluß der betroffenen Tiere und ihrer Familien aus der Zucht ausrotten kann. Dies stimmt lediglich dann, wenn ein einfacher Erbgang vorliegt. Handelt es sich jedoch um eine polyfaktorielle Erkrankung, so muß genau evaluiert werden, ob der Zuchtausschluß betroffener Familien Nutzen oder Schaden für die Zucht bringt. Durch Zuchtausschluß wird immer auch die Zuchtbasis eingeschränkt und infolge dessen geht die genetische Vielfalt verloren. Zuchtselektion hat zum Ziel, krankmachende oder unerwünschte Gene durch gezielte Zucht auszuschalten. Nicht erwünscht ist eine starke Einschränkung der Zuchtbasis, da dadurch andere krankmachende Gene in der Population deutlich häufiger auftreten können.

Für die Charakterisierung des Erbgangs einer Erkrankung ist die Untersuchung zahlreicher Familien notwendig. Mein bisheriges Zahlenmaterial ist leider noch nicht genügend, als daß ich definitive Schlußfolgerungen ziehen könnte. Da zudem in nahezu allen Linien, die ich untersucht habe, Sebadenitisfälle aufgetreten sind, würde der Zuchtausschluß die genetische Vielfalt massiv einschränken. Ich bitte Sie daher noch um Geduld. Es wäre eine verfrühte Schlußfolgerung, daß durch Zuchtausschluß der betroffenen Familien der Akita Zucht etwas Gutes getan würde. Wahrscheinlicher wäre, daß durch die starke Einschränkung der Zuchtbasis das vermehrte Auftreten anderer Krankheiten mit genetischer Grundlage wie z.B. VKH oder HD provoziert würden.

"Die" Therapie wurde noch nicht gefunden

Bisher wurden verschiedenste Therapien mit meist sehr unbefriedigenden Ergebnissen zur Behandlung der Sebadenitis versucht. Leidet der Hund bereits unter einer bakteriellen Hautinfektion, kann diese mit Antibiotika behandelt werden. Das ursächliche Problem der an Sebadenitis erkrankten Hunde ist jedoch der fehlende Schutzfilm der Haut, der zu Flüssigkeitsverlust über die Haut führt und diese Hautinfektionen begünstigt. Die Hautinfektion wird daher bereits kurze Zeit nach Absetzen der Antibiotikatherapie wieder aufflammen, wenn nicht gleichzeitig die trockene Haut behandelt wird. Da die Talgdrüsen für immer fehlen, leidet der Hund lebenslang unter zu trockener Haut, Haarbruch und Gefahr von Hautinfektionen. Das Ziel der Behandlung ist daher eine Linderung der Beschwerden und die Vorbeugung von Hautinfektionen. Die Behebung der Krankheitsursache ist noch nicht möglich.

Akita mit Sebadenitis
nur Nachwachsen von Deckhaar, keine Unterwolle, Schuppen
© 1999 by Frau Dr. Iris Reichler

Der natürlichen Schutzfilm der Haut muß nachgeahmt werden

Um den natürlichen Schutzfilm der Haut nachzuahmen, können rückfettende Shampoos, Badeöle und Spülungen eingesetzt werden. Neben der äußerlichen Behandlung war auch die hoch dosierte Zufütterung von essentiellen Fettsäuren, z.B. Fischöl, teilweise erfolgreich. Die Anwendung von Medikamenten, die das Immunsystem beeinflussen, wie Cortison oder Cyclosporin, zeigt keinen oder nur wenig Erfolg. Auch die Einnahme von Vitamin A-Abkömmlingen, die in der Humanmedizin zur Heilung von Talgdrüsenerkrankungen führt, erzielt bei der Behandlung der Sebadenitis langfristig nicht die erwünschte Wirkung.

Die Hautveränderungen bei Sebadenitis können im Verlauf der Krankheit und bei den einzelnen Individuen sehr stark variieren. Um die Diagnose Sebadenitis zuverlässig stellen zu können, müssen mit einer 6 mm Stanze unter örtlicher Betäubung 3 Hautproben entnommen und mikroskopisch untersucht werden.

Bis heute habe ich 23 an Sebadenitis erkrankte Akita untersucht, diagnostiziert und /oder behandelt. Der Krankheitsverlauf war individuell sehr unterschiedlich. Die meisten meiner Patienten werden von ihren Besitzern regelmäßig gebadet, fressen ein hochwertiges Hundediätfutter und bekommen zusätzlich Fischöl und Vitamin E. Das Hautbild hat sich bei einzelnen Hunden deutlich gebessert. Unter Behandlung sind die Tiere beschwerdefrei.

Akita mit Sebadenitis
abgesehen von der Mittellinie abgeheilt, Mittelinie keine Unterwolle
© 1999 by Frau Dr. Iris Reichler

Sebadenitis und Atopie

Erschwerend kommt bei einigen Hunden dazu, daß sie gleichzeitig an Atopie leiden. Dieses Zusammentreffen von Sebadenitis und Atopie war Anlaß für eine weitere Untersuchung, für die ich Sie um Ihre Unterstützung bitte. Möglich sind 4 Theorien zur Erklärung dieses Phänomens.

  1. Es handelt sich um ein zufälliges Zusammentreffen zweier Krankheitsgeschehen, ein kausaler Zusammenhang besteht nicht, beide Erkrankungen sind sehr selten.
  2. Akitas leiden grundsätzlich häufiger an Atopie, unabhängig davon, ob sie an Sebadenitis erkrankt sind oder nicht.
  3. Sebadenitis fördert die Ausbildung einer Atopie
  4. Die Krankheitsentstehung der Sebadenitis hängt mit übermäßiger IgE-Bildung / Atopie zusammen.

Dr. Iris Reichler

Für weitere Informationen über Sebadenitis wenden Sie sich bitte diekt an Frau Dr. Reichler:
Dr. Iris Reichler, Winterthurerstrasse 260, CH-8057 Zürich

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