Sebadenitis

Schilddrüsen- und Hauterkrankungen bei Hunden,
Erfahrungswerte beim Akita

Hinweis: Dieser Artikel von Dr. Renate Hämmerling erschien in der Clubzeitschrift des Akita Club e.V. 2/1999.

Der Akita gehört in Deutschland bislang noch zu einer seltener gehaltenen Hunderasse, insofern beruhen die Erfahrungswerte bezüglich der Häufigkeit vorkommender Erkrankungen auf einer relativ kleinen Anzahl und einer kürzeren Zeitspanne, verglichen zu anderen Hunderassen.

Die Statistik eines pathologischen Instituts (Dr. v. Bomhardt, Pathologe, München) aus den Jahren von 1988 - 1996 weist aus, daß das Durchschnittsalter aller Hunde, von denen Gewebeproben in dem Institut histopathologisch untersucht wurden, bei 7 Jahren, beim Akita jedoch nur bei 4 Jahren lag.

In derselben Zeitspanne hatte von 130.000 untersuchten Hunden aller Rassen der Akita nur einen Anteil von 0,06 % (ca. 78 von 130.000). Bei den 130.000 Hunden lag der Anteil der Hautpatienten insgesamt bei nur 24%, während von den Akita die eingesandten Gewebeproben zu 70% aus der Haut stammten, ohne Hauttumore.

Hierzu ist es wichtig zu wissen, daß in der Regel nur bei chronischen Hauterkrankungen, die nicht auf eine übliche Behandlung dauerhaft ansprechen, Gewebeproben aus der Haut zur histologischen Untersuchung eingesandt werden, um die Ursache herauszufinden.

Welches sind nun die Hauterkrankungen, unter denen der Akita überdurchschnittlich häufig leidet? In den erwähnten histopathologischen Untersuchungen wurden beim Akita 70 % Hyperkeratosen und 41 % Pyodermien gefunden.

Hyperkreatosen sind verstärkte Schuppenbildungen und Pyodermien sind bakterielle Hautentzündungen, meistens durch Staphylokken hervorgerufen. Beides sind in der Regel sekundäre Hauterkrankungen, daß heißt, es liegen primär Ursachen zugrunde, die zu diesen Krankheitssymptomen führen.

Diese zugrunde liegenden Ursachen können sehr vielfältig sein und müssen durch klinische Untersuchungen herausgefunden werden. In den histopathologischen Untersuchungen in dem Institiut von Dr. v. Bomhardt wurden in dem zur Statistik herangezogenen Zeitraum von 1988 - 1996 als primäre Krankheitsursache die aseptische Sebadinitis zu 25 % und der Pemphigus foliaceus zu 9,6 % gefunden. Das sind anteilmäßig sehr hohe Zahlen, der Pemphigus foliaceus, eine insgesamt relativ selten vorkommende Autoimmunerkrankung der Haut, ist z.B. in den gesamten Hautuntersuchungen aller Hunderassen nur mit 0,7 % vertreten.

Dagegegen wurden in den histopathologischen Untersuchungen keinerlei Hinweise (jeweils 0 %) auf eine Hypothyreose (Unterfunktion der Schilddrüse), Demodikose (Hauterkrankung durch die Haarbalgmilben), Hautpilzerkrankung und allergisch/atopische Hauterkrankungen gefunden, die ebenfalls zu Hyperkeratosen und Pyodermien führen könnten.

Hypothyreosen, Demodikose, Hautpilzerkrankungen und allergisch bedingte atopische Dermatitis sehr selten beim Akita

Dies bedeutet jedoch nicht, daß der Akita diese Erkrankungen nie bekommen kann. Hypothyreosen, Demodikose, Hautpilzerkrankungen und allergisch bedingte atopische Dermatitis können auch schon ohne histologische Hautuntersuchungen, allein durch klinische Untersuchungen vom Tierarzt erkannt werden. Jedoch führen diese Erkrankungen, wenn sie nicht erkannt und unbehandelt bleiben, ebenfalls zu chronisch verlaufenden Hauterkrankungen, bei denen dann oftmals doch Hautbiopsien zur Diagnostik entnommen werden.

Daß in den histologischen Untersuchungsbefunden gar kein Hinweis auf diese Erkrankungen gefunden wird, bedeutet also, daß der Akita unter diesen Erkrankungen - wenn überhaupt - nur äußerst selten leidet.

Wir führen z.B. sehr viele Funktionsteste auf die Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) durch. Sowohl in unserer Praxis als auch in dem endokrinologischen Labor der Tierärztlichen Hochschule Hannover bei Prof. Hoppen war von 1993 bis heute noch kein einziger Akita von einer Hypothyreose betroffen, während andere Rassen gehäuft vertreten sind, da es sich um eine vererbbare Erkrankung handelt.

Hypothyreose kann ohne Schilddrüsenfunktionsteste falsch diagnostiziert werden

Dagegen wird häufiger beim Vorliegen einer Hautentzündung fälschlich eine Hypothyreose in den Fällen diagnostiziert, in denen keine Schilddrüsenfunktionsteste durchgeführt, sondern nur Einzelwerte bestimmt werden. Erniedrigte Schilddrüsenwerte können schon durch andere Krankheiten und durch eine Vielzahl von Medikamenten bedingt sein, besonders durch Cortison, das häufig bei Hautentzündungen gegen den Juckreiz gegeben wird. Auf diese Weise kommt es sehr oft zu einer falschen Diagnose der Hypothyreose.

Die allergisch bedingten Hauterkrankungen - die atopische Dermatitis mit Juckreiz - kommt bei einigen Rassen stark gehäuft vor, da sie ebenfalls genetisch bedingt ist und vererbt wird. Wir haben sehr viele Hunde verschiedener Rassen mit atopischer Dermatitis in unserer Praxis, aber den Akita nur äußerst selten vertreten.

Erkrankungen, die bei Akita gehäuft auftreten:

  • Die Zinkmangeldermatitis kann zu einer starken Hyperkeratose führen. Die krustigen hyperkeratotischen, z.T. ulzerativen (geschwürigen) Veränderungen sind häufig an den Ballen, um die Augen herum und an den Lefzen zu finden. Es kann starker Juckreiz bestehen. Die Ursache beruht sehr selten auf einem genetischen Defekt in der Zinkverwertung. Meistens wird der relative Zinkmangel, der nicht durch eine Blutuntersuchung festgestellt werden kann, durch eine falsche Fütterung ausgelöst. Besonders in der Jungtierernährung wird häufig übertreiben "zu gut" gefüttert.
     
    Das sogenannte Hochleistungsfutter enthält oft zu viel pflanzliches Eiweiß und es wird oftmals zusätzlich Calzium gegeben, so daß es zur Verdrängung von Zink kommt. Die Behandlung dieser Hauterkrankung besteht in der Zufuhr von Zink und vor allem in einer Umstellung auf ein ausgewogenes Futter. Die Erkrankung heilt dann relativ schnell aus.
     
  • Der Pemphigus foloaceus kann dem klinischen Bild der Zinkmangeldermatitis sehr ähnlich sein. Die Hyperkeratose und die ulzerativen, geschwürigen Hautveränderungen sind oft um die Nase und die Augen herum, an den Ballen, aber auch auf der gesamten Haut zu finden. Die Ursache dieser autoimmunen Hauterkrankung ist vermutlich genetisch bedingt und liegt in einer Störung des Immunsystems. Das Immunsystem funktioniert normalerweise zur Gesunderhaltung mit der Abwehr aller fremden, krankmachenden Organismen. Bei einer Autoimmunerkrankung (Auto = selbst) kann das Immunsystem nicht mehr zwischen fremden und körpereigenen Stoffen unterscheiden und zerstört körpereigenes Gewebe. Beim Pemphigus foliaceus kommt es durch die Immunentgleisung zu Zerstörungen der zusammenhängenden, später schuppenbildenden Hautzellen, es bilden sich innerhalb der Epidermis (Hautschicht) Blasen, die geschwürig aufplatzen. Diese Erkrankung erfordert lebenslange Therapie.
     
  • Das uveo-dermatologische Syndrom ist eine weitere Autoimmunerkrankung, die beim Akita gehäuft auftritt und dem Vogt-Koyanagi-Harada Syndrom des Menschen ähnlich ist. Hierbei kommt es neben der Zerstörung der Haut zusätzlich zu einer plötzlichen, akuten Entzündung des Auges. Es ist entscheiden, diese Erkrankung frühzeitig zu erkennen und effektiv zu behandeln, um bleibende Verklebungen im Auge zu verhindern.
     
  • Die asptische Sebadinitis (nicht-infektiöse Entzündung der Talgdrüsen) ist offensichlich die häufigste Hauterkrankung der Akita, die jedoch auch in anderen Rassen vorkommt. Bei dieser Hauterkrankung, einer ebenfalls genetisch bedingten und vererbbaren Autoimmunerkrankung, kommt es zu einer allmählichen Selbstzerstörung der Talgdrüsen in der Haut durch körpereigene spezifische Lymphozyten (bestimmte Abwehrzellen der weißen Blutkörperchen). Die Sebadinitis beginnt meist schon im jungen Tier. Leider kann jedoch ein späteres Auftreten der Sebadinitis durch eine frühzeitige, vorsorgliche histologische Untersuchung nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Durch die Zerstörung der Talgdrüsen fehlen der Haut die durch die Talgdrüsen produzierten Fettstoffe, die Haut wird sehr trocken und dadurch anfälliger für eine eitrige Hautentzündung, der Pyodermie.
     
    Neben der trockenen Haut kommt es zu einer stärkeren Hautschuppung, der Hyperkeratose, unter der Akita offensichtlich mehr als andere Rassen leiden. Da die Talgdrüsen eng mit den Haarfollikeln verbunden sind, ist die Zerstörung der Talgdrüsen auch immer mit Haarausfall verbunden. Durch die sehr trockene Haut und die häufig entstehende Pyodermie kann die Sebadinitis mit sehr starkem Juckreiz einhergehen. Die auffälligsten Symptome der Sebadinitis sind also: sehr schlechtes Haarkleid, Haarausfall, sehr trockene Haut, Hautentzündungen, verstärkte Hautschuppungen, Juckreiz. Durch die Behandlung der Sebadinitis können die einmal zerstörten Talgdrüsen nicht wieder repariert werden. Daher können nur die Symptome gemildert werden, vorrangig die trockene Haut mit einfettenden Spülungen.

Dr. Renate Hämmerling, Düsseldorf

im Mai 1999

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